Hohe Zustimmung bei Umfrage nach dem Pilotprojekt im Tenniskreis Marburg
Mehrzahl der 44 Vereine für die Reform der Medenrunde
Im Tenniskreis Marburg, dem 44 Vereine angehören, wurden die Mannschaftsspiele in dieser Saison
in den Kreisligen erstmals in neuer Form ausgetragen: generell mit Vierer-Mannschaften, Doppel
vor den Einzeln, dritter Satz in Form eines "Champions-Tiebreaks" (bis zehn). Der Vorstand des
Tenniskreises hatte sich im vergangenen Jahr relativ kurzfristig zu dieser Reform entschlossen
und seine Vereine entsprechend informiert. Der TK-Vorsitzende Hans-Jürgen
Schneider aus Stadtallendorf, der es als erfolgreicher Unternehmer (Ing. Büro elektroplan)
gewohnt ist, Entscheidungen zu fällen und neue Ideen voranzutreiben, setzte damit ein
Pilot-Projekt in die Tat um, das zuvor im Verbandsausschuss des Hessischen Tennis-Verbandes
(HTV-Präsidium, Bezirks- und Kreisvorstände) diskutiert worden war.
Nach dem Abschluss der Saison mit der reformierten Medenrunde führte der Tenniskreis Marburg
eine schriftliche Befragung seiner 44 Vereine durch. Beim Vorstandsturnier des HTV im Offenbacher
Landesleistungszentrum gab Hans-Jürgen Schneider vor den rund 160 Teilnehmern einen ersten kurzen
Überblick über die Ergebnisse der Befragung. Und auch beim Vorstandsturnier des Tenniskreises
Marburg wurden die Ergebnisse diskutiert. Die genaue Auswertung der elf Fragen legte Schneider
vor kurzem in einem Treffen mit den HTV-Vizepräsidenten Axel Pfeffer und Rolf Heggen sowie
Landesspielleiterin Sandra Orth in Offenbach vor.
Erste erfreuliche Zahl: Der Fragebogen wurde von rund achtzig Prozent der Vereine (35 von 44)
innerhalb von vierzehn Tagen schriftlich beantwortet. Bei der Grundsatzfrage (Wie fanden Sie
den Vorstoß, die Medenrunde zu reformieren?) konnten drei Antworten angekreuzt werden: gut,
weniger gut, schlecht. Nur einmal wurde "schlecht" angekreuzt, nur viermal "weniger gut".
Mit den verschiedenen Änderungen in der Wettspielordnung waren nur sieben der 35 antwortenden
Vereine nicht einverstanden, also genau zwanzig Prozent. Den größten Vorbehalt gab es zum
Beginn des Medenspiels mit den Doppeln. Das fanden 15 von 35 Vereinen, also vierzig Prozent,
als "nicht richtig". Die Frage, ob die Medenspiele vorwiegend früher fertig wurden,
beantworteten 28 Vereine mit einem grundsätzlichen "ja", vier Vereine kreuzten "manchmal"
an.
Die Frage nach der generellen Zufriedenheit mit der Neuregelung der Wettspielordnung und dem
Ablauf der reformierten Medenspiele wurde nur von sechs Vereinen mit "unzufrieden" beantwortet,
also von siebzehn Prozent. Bei der Frage, ob die Änderungen auch für die nächst höheren
Spielklassen, also die Bezirksligen, eingeführt werden sollten, stimmten sechzehn Vereine
mit "nein" (46 Prozent). Vier Vereine wollen im nächsten Jahr, in dem wieder nach der neuen
Regelung gespielt wird, speziell wegen der Neuregelung mehr Mannschaften als bisher melden.
Kein Verein will weniger Teams melden. Und die abschließende Frage, ob nach weiteren Reformen
gesucht werden solle, beantworteten mehr als die Hälfte (18 Vereine) mit "ja", neun Vereine
mit "nein", und dem Rest war es "egal".
Gar nicht egal aber war es Hans-Jürgen Schneider, warum neun der 44 Vereine auf die
Fragebogen-Aktion nicht geantwortet hatten. Also fragte er telefonisch nach. Die Antworten
zeigten hier unter anderem, dass die Frist für die Beanwortung (zwei Wochen) relativ knapp
bemessen war. Bei dem fernmündlichen Feedback, aber auch bei den Gesprächen während des
Marburger Vorstandsturniers, gab es keine grundsätzliche Ablehnung der Neuregelung, so dass
der Grad der Zustimmung unter den 44 Vereinen noch deutlich über den schriftlichen Ergebnissen
liegt.
Im Tenniskreis wird man nun in einer weiteren Versammlung über eventuelle kleinere
Modifikationen in diesem Pilot-Projekt sprechen. Und auch auf die zahlreichen zusätzlichen
Anregungen in den Fragebögen eingehen: Zahl der Teams je Gruppe, Anzahl der Spiele, Auf- und
Abstiegsspiele, Hin- und Rückspiele, Flexibilität bei den Spielerpässen, Dauer der Saison.
Wenig Gefallen findet Hans-Jürgen Schneider an der Hobbyrunde neben der Medenrunde: "Das
stiftet Verwirrung. Alle Mannschaftsspiele sollten unter einem Dach stattfinden. Was soll
eine Zweiklassen-Gesellschaft? Und was heißt Hobbyspieler? Das klingt schon negativ. Wir sind
doch alle Freizeitspieler." Schneider ist sich ansonsten sicher, mit den Reformen auf dem
richtigen Weg zu sein.
Rolf Heggen, Vizepräsident des Hess. Tennisverbandes
aus: TOPSPIN Nr. 166/2005